Künstliche Intelligenz in der Produktion



Am 19. Februar 2015 hielt Dr. Martin Hofmann, CIO der Volkswagen AG, auf den Hamburger IT Strategietagen den Vortrag:

"Künstliche Intelligenz in der Automobilindustrie"


Die Aussage von Herrn Dr. Hofmann: Stieg die Rechenleistung der IT bis vor einigen Jahren aus heutiger Sichtweise heraus insgesamt noch eher langsam, kommt es dank des weiter geltenden "Moore'schem Gesetz" mittlerweile jedes Jahr zu wahnsinnigen Steigerungen - so soll bereits im kommenden Jahr die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns erreicht werden können. "Spätestens im Jahr 2040" könne dann ein einziger Computer mehr leisten als die Gehirne aller Menschen auf der Welt zusammen, prognostiziert Hofmann und stützt sich dabei auf wissenschaftliche Untersuchungen. Der nächste Schritt sei das autonome Lernen, das selbstständige Weiterentwickeln der Systeme, die dafür keine Menschen mehr benötigen.

Vollbremsung ja oder nein?

Mit solch selbstlernenden Algorithmen werden ganz neue Geschäfte möglich - gerade in der Kombination mit dem Thema Big Data, das Hofmann als "Turbolader" der Künstlichen Intelligenz (KI) bezeichnet. Anhand eines Beispiels aus seiner Branche verdeutlicht der Volkswagen-Konzern-CIO diese Idee. So entscheide das Auto bald selbst anhand eines Rundum-Scans der Umgebung, wann es eine Vollbremsung hinlege und wann nicht. "Kommt beispielsweise eine Plastiktüte während der Fahrt über ihre Windschutzscheibe geflogen, entscheidet ihr Auto in Millisekunden, weiter zu fahren, weil keine Gefahr vorliegt. Fliegt hingegen ein Fußball über ihre Windschutzscheibe, bremst das Auto sofort ab - weil davon auszugehen ist, dass sich hinter dem Fußball ein spielendes Kind befindet."

Im Kontext produzierender Unternehmen erwartet Hofmann bis spätestens 2035 eine vollständige Umstellung auf autonome Systeme. So könnten sowohl die Vertriebsplanung und das Marketing, die Produktentwicklung, die Produktion selbst und auch die Finanzplanung und das Controlling durch intelligente Systeme abgelöst werden. Computer-Algorithmen planen die Werbekampagnen selbsttätig auf Basis vorhandener Kundendaten, entwickeln Produkte weiter, verarbeiten die erzeugten Konstruktionsdaten in der Produktionsstraße und übernehmen anschließend zusätzlich das Controlling.

Beschäftigung mit der Beschäftigung

Große Investitionen beispielsweise durch Toyota oder Google zeigten, wie entscheidend die Themen Künstliche Intelligenz und Machine Learning für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft seien. Hofmann forderte dazu auf, sich jetzt mit der Entwicklung entsprechender Industriestandards zu beschäftigen. Er sei sich gleichwohl bewusst, dass aus Arbeitnehmersicht zahlreiche Fragen noch ungelöst seien, was die Zukunftsfähigkeit bestimmter Berufe angehe: "Wir brauchen auch Antworten und Konzepte für die Beschäftigungsfragen der Zukunft. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten - sowohl gesamtwirtschaftlich als auch gesellschaftspolitisch."

Fazit

Um die technische Zukunft nicht zu verschlafen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich mit der Künstlichen Intelligenz von Maschinen und Systemen zu beschäftigen. In den kommenden 20 Jahren werden die Computersysteme so intelligent werden, dass sie für eine autonome Weiterentwicklung keine Menschen mehr brauchen. Diese wiederum sollten aber immer das "letzte Wort" haben und rein maschinell entwickelte Produkte und Strategien final freigeben, erklärt Volkswagen-Konzern-CIO Martin Hofmann Die Antworten auf ethische und arbeitsmarktbezogene Fragen können nur gemeinsam im Dialog zwischen Wirtschaft und Gesellschaft gefunden werden.

Quelle: CIO Homepage  http://www.cio.de/a/vw-cio-ki-stellt-autoproduktion-auf-den-kopf,3254045